Rente & Vorsorge

Rentenerhöhung: plötzlich steuerpflichtig?

Zum 1. Juli werden die Renten angehoben – und rund 21 Millionen Rentner profitieren von den höheren Bezügen. Doch Vorsicht: Mit der Anhebung der Rente rutschen viele zum ersten Mal in die Steuerpflicht und müssen eine Steuererklärung abgeben.

Ein älteres Ehepaar sitzt auf einer Bank; der Mann hat seinen Arm um die Frau gelegt. Sie schauen beide in die Ferne und lächeln zufrieden. Im Hintergrund sind verschwommen Lampen, Fahrräder und andere Bänke zu sehen.

Auch in diesem Jahr werden die Renten zum 1. Juli spürbar erhöht: In den alten Bundesländern legen die Bezüge um 3,45 Prozent zu, im Osten sogar um 4,20 Prozent. Der „Rentenwert Ost“ steigt damit auf 97,2 Prozent des „Rentenwerts West“ an. Wie hoch Ihre individuelle Rente ausfällt, entnehmen Sie Ihrer Rentenanpassungsmitteilung.

Während sich die meisten Rentner über die Erhöhung freuen können, müssen jedoch laut Bundesfinanzministerium auch circa 51.000 Rentner damit rechnen, dass sie erstmals steuerpflichtig werden. Ob und wie viel Rente versteuert werden muss, hängt von der Höhe des Gesamteinkommens und vom Jahr des Renteneintritts ab.

In folgenden Fällen müssen Sie dann meist auch eine Steuererklärung abgeben:

  • Sie erhalten eine Riester- oder eine Betriebsrente.
  • Sie beziehen Witwenrente.
  • Sie haben weitere Einkünfte wie z. B. aus Vermietung.

Rentenbesteuerung: die wichtigsten Fragen und Antworten

Warum werden Renten überhaupt besteuert?

Renten zählen zu den steuerpflichtigen Einkünften – so wie alle anderen Einkünfte, die man beispielsweise aus Arbeit oder Vermietung hat. Ob auf die Rente tatsächlich eine Steuer zu zahlen ist, hängt aber vom Einzelfall ab.

Was ist für den Einzelfall wichtig?

Für die Rentenbesteuerung ist im Einzelfall wichtig, seit wann die Rente gezahlt wird. Dieser Zeitpunkt bestimmt jenen Rentenanteil, der steuerpflichtig ist – den sogenannten Besteuerungsanteil.

Und dieser Besteuerungsanteil steigt stetig an?

Ja. Bei Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die 2005 oder früher begonnen haben, sind 50 Prozent der Renten steuerpflichtig. Der Besteuerungsanteil steigt dann für jeden neuen Rentenjahrgang an. Wer 2019 in den Ruhestand ging, musste 78 Prozent versteuern, 2020 sind es bereits 80 Prozent. Für Neurentner ab dem Jahr 2040 gehören dann 100 Prozent der Rente zum steuerpflichtigen Einkommen.

Gibt es denn den Grundfreibetrag auch für Rentner?

Ja – Rentnern steht der gleiche Grundfreibetrag zu, wie allen anderen Steuerbürgern auch. Dieser lag 2019 bei 9.168 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 18.336 Euro für Ehepaare. 2020 steigt der Grundfreibetrag für Ledige auf 9.408 Euro an und für Ehepartner auf 18.816 Euro. Bleibt man mit seinen Einkünften unter diesem Grundfreibetrag, sind keine Steuern zu zahlen.

Und wenn der Grundfreibetrag überschritten wird?

Dann sollten Sie unbedingt prüfen, welche Kosten Sie in der Steuererklärung ansetzen können, um Ihre Steuerlast zu senken. Folgende Aufwendungen berücksichtigt das Finanzamt beispielsweise:

  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
  • Spenden
  • außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten oder Aufwendungen für die Heimunterbringung
  • Pauschbeträge für Menschen mit Behinderung entsprechend dem vorliegenden Grad der Behinderung
  • Arbeitsleistung bei Handwerkerkosten
  • haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Teile der Nebenkostenabrechnung von der Wohnung
Was passiert, wenn trotz Abgabepflicht keine Steuererklärung eingereicht wird?

Dann kann das Finanzamt zu Steuernachzahlungen auffordern. Und es werden – je nach Höhe der Nachzahlungen – Verspätungszuschläge und eventuell Zwangsgelder verhängt. Achtung: Steuernachzahlungen werden mit sechs Prozent jährlich verzinst. Wenn man also unsicher ist, ob man eine Steuererklärung abgeben muss, sollten man sich lieber beraten lassen.

Tipp:

Sie sind Rentner und haben einen Minijob? Dieser bleibt steuerfrei, auch wenn Ihre übrigen Einkünfte steuerpflichtig sind.

Ihnen ist das alles zu kompliziert? Der Steuerring schöpft für seine Mitglieder alle steuerlichen Vorteile aus – finden Sie jetzt ganz in Ihrer Nähe einen persönlichen Berater.