Rente & Vorsorge

Rentenerhöhung: plötzlich steuerpflichtig?

Mehrere Millionen Empfänger dürfen sich im Juli über eine Rentenerhöhung freuen. Aber mit jeder Anhebung stellt sich für viele die Frage: Besteht aufgrund des höheren Einkommens nun eine Steuerpflicht?

Ein älteres Ehepaar mit Unterlagen in der Hand

Grundsätzlich können sich Rentenerhöhungen auf den steuerbaren Rentenanteil so auswirken, dass die Abgabe einer Steuererklärung notwendig wird. Ob und wie viel Rente versteuert werden muss, hängt von der Höhe des Gesamteinkommens und vom Jahr des Renteneintritts ab. Die wichtigsten Fragen rund ums Thema Rentenbesteuerung erklärt der Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland e.V. (Steuerring) in einem Interview.

Warum werden Renten überhaupt besteuert?
Renten zählen zu den steuerpflichtigen Einkünften – so wie alle anderen Einkünfte, die man beispielsweise aus Arbeit oder Vermietung hat. Ob auf die Rente tatsächlich eine Steuer zu zahlen ist, hängt aber vom Einzelfall ab.

Was ist für den Einzelfall wichtig?
Es ist zunächst wichtig, seit wann die Rente gezahlt wird. Dieser Zeitpunkt bestimmt jenen Rentenanteil, der steuerpflichtig ist – den sogenannten Besteuerungsanteil.

Und dieser Besteuerungsanteil wird im Alterseinkünftegesetz neu geregelt?
Ja. Bei Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die 2005 oder früher begonnen haben, sind 50% der Renten steuerpflichtig. Der Besteuerungsanteil steigt dann für jeden neuen Rentenjahrgang an – in 2040 schließlich wird für Neurentner die volle Rente besteuert. Wer seit 2014 in Rente ist muss 68% versteuern und für Neurentner des Jahres 2015 beträgt der Besteuerungsanteil 70%.

Wie wird die Mütterrente, die seit 1. Juli 2014 gezahlt wird, versteuert?
Für die Mütterrente gilt der gleiche Besteuerungsanteil wie für die Altersrente.

Also bestimmt nur der Besteuerungsanteil die zu zahlende Steuer?
Noch nicht ganz. Man zieht von den steuerpflichtigen Renteneinnahmen die Vorsorgeaufwendungen ab, wie beispielsweise Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Kommt man dann unter den Grundfreibetrag, sind keine Steuern zu zahlen.

Wie hoch ist der Grundfreibetrag für Rentner?
Er liegt 2014 bei 8.354 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 16.708 Euro für Ehepaare. Im Jahr 2015 wird der Grundfreibetrag auf 8.472 Euro steigen, für Eheleute zusammen sind es dann 16.944 Euro.

Und wenn man den Grundfreibetrag nicht unterschreitet?
Dann sollte man prüfen, welche weiteren Aufwendungen geltend gemacht werden können. Das sind unter anderem Zuzahlungen für Medikamente, Pauschbeträge für Behinderungen und Spenden.

Was ist, wenn ein Rentner noch andere Einkünfte hat?
Dann kann schnell eine Steuerzahlung anstehen! Das kann der Fall sein, wenn Zinsen oder Vermietungseinkünfte vorliegen. Ebenso wenn bei Ehepaaren ein Partner bereits Rente bezieht und der andere noch arbeitet.

Was ist für Sie das Hauptproblem der Rentensteuer?
Viele Rentner wissen überhaupt nicht, dass sie eine Steuererklärung abgeben müssen. Kommt dann Post vom Finanzamt, ist das Entsetzen groß.

Was passiert, wenn trotz Abgabepflicht keine Steuererklärung eingereicht wird?
Dann kann das Finanzamt zu Steuernachzahlungen auffordern. Und es werden – je nach Höhe der Nachzahlungen – eventuell Zwangsgelder und Verspätungszuschläge verhängt. Steuernachzahlungen werden mit 6% jährlich verzinst.

Was raten Sie den Senioren?
Ist ein Rentner unsicher, ob ihn die neue Regelung betrifft, sollte er sich beraten lassen.

Wo können Rentner sich beraten lassen?
Der Lohnsteuerhilfeverein Steuerring verfügt über mehr als 1.000 Beratungsstellen in ganz Deutschland. Im Rahmen einer Mitgliedschaft unterstützen wir Rentner und Pensionäre in allen Steuerangelegenheiten. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des Vereins www.steuerring.de oder unter der kostenlosen Rufnummer 0800-9784800.