Steuer-Aufklärer

Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und stützt sich auf mehrere Aktenordner. Dabei blickt er an die Decke.

Bei Arbeitnehmern behält der Arbeitgeber Lohnsteuer ein und führt sie ans Finanzamt ab. Eigentlich ist die Lohnsteuer eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Bei der Gehaltsabrechnung berücksichtigt der Arbeitgeber nur die ihm bekannten Steuermerkmale seines Mitarbeiters. Das sind zum Beispiel:

Bei der monatlichen Gehaltsabrechnung berücksichtigt der Arbeitgeber zumindest teilweise auch berufliche Kosten, die Werbungskosten – im Regelfall allerdings nur in Höhe des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 1.000 Euro im Jahr. Wer als Arbeitnehmer höhere Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen hatte, hat zu viel an Steuern gezahlt und kann sich diese mit einer Steuererklärung zurückholen. Darüber erfolgt dann die genaue Abrechnung über alle steuerrelevanten Einnahmen und Ausgaben des gesamten Jahres – und umfasst dann auch die Lebenssachverhalte außerhalb des Arbeitsverhältnisses. 

Vier Jahre Zeit für freiwillige Steuererklärung

Für viele Arbeitnehmer ist die Steuerpflicht bereits durch den monatlichen Lohnsteuerabzug abgegolten. Haben sie keine weiteren Einkünfte, muss in diesen Fällen keine Steuererklärung abgegeben werden.

Tipp:

Die Abgabe kann allerdings freiwillig erfolgen – und dafür gibt es vier Jahre Zeit. Eine freiwillige Steuererklärung für 2017 können Sie bis spätestens am 31. Dezember 2021 abgeben. Eine Verlängerung ist bei der sogenannten Antragsveranlagung nicht möglich.

Bei Pflichtveranlagung: Abgabetermin bis Ende Mai 2018

Ganz anders bei der Pflichtveranlagung: Wer darunter fällt, der muss eine Steuererklärung abgeben. Für das Jahr 2017 endet die Frist am 31. Mai 2018. Ab dem Veranlagungsjahr 2018 läuft sie generell zwei Monate später ab, also am 31. Juli 2019.

Wer absieht, dass er es nicht rechtzeitig schafft, kann eine Verlängerung beantragen. Eine längere Krankheit oder Abwesenheit sind Gründe, die beim Finanzamt häufig auf Verständnis stoßen.

Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine haben spätere Abgabefristen: Lassen Sie Ihre Steuererklärung vom Steuerring erledigen, dann gilt der 31. Dezember 2018 als Abgabetermin für die Erklärung 2017.

  

Abgabepflicht für Nicht-Arbeitnehmer


Zunächst ist jedoch die Frage zu klären, ob Sie eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen.

  • Das ist immer der Fall, wenn das Finanzamt Sie dazu auffordert.

Für Nicht-Arbeitnehmer gibt es eine Abgabepflicht, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte zum Beispiel als Selbstständiger, Gewerbetreibender, Landwirt oder Vermieter oberhalb des Grundfreibetrags liegt. Für 2018 beträgt dieser 9.000 Euro für einen einzeln veranlagten Steuerpflichtigen; 18.000 Euro für ein zusammen veranlagtes Ehepaar.

Diese Beträge gelten auch für Rentner. Die Rente ist jedoch teilweise steuerfrei. Wie viel, das hängt davon ab, wann sie erstmals gezahlt wurde. Beispiel: Wer erstmals 2016 eine Rente bezogen hat, der muss nur 72 Prozent der Rente versteuern. Der steuerfreie Teil wird als Freibetrag festgeschrieben und bleibt bis zum Lebensende konstant. Der steuerpflichtige Teil nimmt mit jeder Rentenerhöhung hingegen zu – auch beim Bestandsrentner.

Für Neurentner steigt außerdem der prozentuale steuerpflichtige Teil, sodass immer mehr Rentner Steuern zahlen müssen. Wer 2017 erstmals Rente bekommen hat, muss bereits 74 Prozent versteuern und damit rechnen, dass man ab einer Monatsbruttorente von rund 1.200 Euro (im Jahr: rund 14.400 Euro) in die Steuerpflicht rutscht. Doch auch Rentner haben abzugsfähige Ausgaben. Erst wenn nach deren Abzug die steuerpflichtigen Einkünfte oberhalb des Grundfreibetrags liegen, sind tatsächlich Steuern zu zahlen.

 

Abgabepflicht für Arbeitnehmer

In bestimmten Situationen müssen auch Arbeitnehmer eine Steuererklärung abgeben. § 46 EStG listet eine Reihe an Voraussetzungen auf. Trifft eine dieser Situationen bei Ihnen ein, gilt für Sie die Abgabepflicht:

  • Sie haben einen Lohnsteuerfreibetrag. Beispiel: Sie haben sich wegen der hohen Fahrtkosten oder einer doppelten Haushaltsführung einen Freibetrag eintragen lassen, der Ihre Lohnsteuer ermäßigt hat. Das gilt aber nicht, wenn Sie einen Hinterbliebenen- oder Behinderten-Pauschbetrag haben oder wenn der insgesamt erzielte Lohn 2017 höchstens 11.200 Euro betrug; bei einem Paar liegt die Bagatellgrenze bei 21.250 Euro.
  • Sie und Ihr zusammen veranlagter Partner haben Lohn bezogen und haben die Steuerklassenkombination III/V oder IV mit Faktor.
  • Sie oder Ihr Partner haben die Steuerklasse VI. Die Abgabepflicht gilt immer, wenn Sie von mehreren Arbeitgebern parallel Gehalt bekommen haben.
  • Sie hatten Nebeneinkünfte von mehr als 410 Euro. Zu solchen zählen beispielsweise Mieteinnahmen. Bis 410 Euro sind Nebeneinkünfte für Arbeitnehmer steuerfrei. Zwischen 410 Euro und 820 Euro wird ein Härteausgleich durchgeführt, das heißt nur ein Teil ist zu versteuern.
  • Sie haben steuerfreie Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen-, Kurzarbeiter-, Insolvenz-, Kranken-, Eltern- oder Mutterschaftsgeld über 410 Euro im Jahr erhalten.
  • Sie haben Kapitalerträge, für die keine Abgeltungssteuer einbehalten wurde.
  • Nicht verheiratete oder geschiedene Eltern wollen einen Freibetrag für das gemeinsame Kind anders als hälftig aufteilen. Das gilt für den Ausbildungsfreibetrag, den Behinderten- und Behinderten-Pauschbetrag.
  • Sie haben eine Abfindung erhalten und der Arbeitgeber hat die Lohnsteuer hierfür nach der Fünftelungsmethode einbehalten.
  • In Ihrer Lohnsteuerbescheinigung ist „S“ eingetragen. Das bedeutet, dass Ihr neuer Arbeitgeber Lohnsteuer für sonstige Bezüge wie zum Beispiel Weihnachtsgeld berechnet hat – ohne Berücksichtigung des früheren Arbeitslohns beim alten Arbeitgeber.
  • Im selben Jahr wurde die Ehe beendet und einer der Partner hat wieder geheiratet.
  • Einer der Ehepartner hat statt der Zusammenveranlagung die Einzelveranlagung gewählt.


Eine Steuererklärung für 2017 abgeben müssen Sie auch, wenn im Steuerbescheid 2016 ein verbleibender Verlustvortrag festgestellt worden ist. Dieser kann dann mit den späteren positiven Einkünften verrechnet werden.

Dies sind die wichtigsten Fälle, in denen eine Steuererklärung abgegeben werden muss. Meistens geht es darum, dass der Fiskus davon ausgeht, dass er durch den Lohnsteuerabzug möglicherweise zu wenig bekommen hat.

Wichtig:

Mit der Abgabepflicht gelten auch die oben genannten Fristen. Wer diese versäumt, riskiert einen Verspätungszuschlag und muss vielleicht zusätzlich Zinsen ans Finanzamt zahlen.