Rente & Vorsorge

Riester-Rente: volle Steuerpflicht bei Auszahlungen?

Einzahlungen in die Riester-Rente werden staatlich gefördert, durch Zulagen und Steuerersparnisse. Die Kehrseite der Medaille: Auszahlungen müssen Sie voll versteuern. Ab dem Jahr 2018 gibt es jedoch eine Ausnahme.

Im Vordergrund steht ein Senioren-Ehepaar. Der Mann trägt die Frau teilweise auf dem Rücken, beide lächeln. Im Hintergrund befindet sich eine Baumkrone mit Blättern in Herbstfarben.

Die Möglichkeit, einen Riester-Vertrag abzuschließen, besteht seit dem Jahr 2002. Dabei gilt die sogenannte nachgelagerte Besteuerung. Das heißt: Einzahlungen werden durch Zulagen und ggf. durch eine zusätzliche Steuerersparnis in voller Höhe steuerfrei gestellt. Im Gegenzug besteuert das Finanzamt den späteren Auszahlungsbetrag mit Ihrem individuellen Steuersatz.

Der Hintergrund: In vielen Fällen ist die steuerliche Entlastung einschließlich der Zulagen in der Einzahlungsphase größer als die Summe der Steuermehrbelastung in der Auszahlungsphase.

Volle Besteuerung der Riester-Rente – mit einer Ausnahme

Grundsätzlich müssen Sie die Auszahlungen der Riester-Rente voll versteuern. Dabei gibt es drei verschiedene „Auszahlungsszenarien“:

  1. Monatliche Auszahlung und Teilkapitalauszahlung
    In den wohl meisten Fällen beziehen die Sparer ihre Einzahlungen in den Riester-Vertrag als tatsächliche Rente im Seniorenalter – nämlich Monat für Monat. Diese monatliche Rente muss in vollem Umfang versteuert werden.
    Zudem können sich Riester-Sparer bis zu 30 Prozent des zu Beginn der Auszahlungsphase zur Verfügung stehenden Kapitals auszahlen lassen; auch diese so genannte Teilkapitalauszahlung ist voll steuerpflichtig.
     
  2. Einmalige Auszahlung als Kleinbetragsrente
    Liegt der monatliche Rentenbetrag nicht über 31,15 Euro (im Jahr 2019), handelt es sich um eine sogenannte Kleinbetragsrente. Anstatt eines monatlichen Betrags, bekommen Sie Ihre Rente dann im Regelfall von der Vertragsgesellschaft in einer Gesamtsumme ausgezahlt. Auch dieser Betrag ist voll steuerpflichtig.

    Achtung Ausnahme: Ab dem Jahr 2018 gewährt das Finanzamt bei kapitalisierten Kleinbetragsrenten die ermäßigte Besteuerung gem. § 34 EStG (Fünftel-Regelung).
     
  3. Auszahlung bei vorzeitiger Kündigung des Riester-Vertrags
    Kündigen Sie Ihren Riester-Vertrag vorzeitig, ermittelt die Vertragsgesellschaft den Ihnen bis dahin zustehenden und voll steuerpflichtigen Betrag. Erfolgt die Auszahlung in einem Jahr, in dem Sie – aufgrund von Berufstätigkeit oder aus anderen Gründen – weitere steuerpflichtige Einkünfte beziehen, kann die Steuerbelastung ziemlich hoch ausfallen.
     

In jedem Fall erhalten Sie von der Vertragsgesellschaft eine Leistungsmitteilung über die steuerpflichtigen Beträge. Auch dem Finanzamt liegen diese in elektronischer Form vor. Trotzdem sollte Ihre Steuererklärung vollständig sein – die relevanten Beträge tragen Sie auf der Rückseite der Anlage R ein.

Tipp:

Beziehen Sie in Ihre Entscheidung über die Kapitalauszahlungen unbedingt die steuerliche Belastung mit ein. Diese kann jedoch schwer selbst berechnet werden. Lassen Sie sich daher steuerlich beraten – zum Beispiel vom Steuerring. Finden Sie jetzt einen unserer 1.100 Berater in Ihrer Nähe mit unserer Beratungsstellensuche.