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Stichtag 30.11.: Freibeträge beantragen und Steuererstattung für das ganze Jahr kassieren

Ein Steuerfreibetrag kann das monatliche Nettoeinkommen erhöhen. Haben Sie bisher noch keinen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung für das laufende Jahr gestellt? Bis zum 30.11. können Sie das nachholen!

Frau prüft Unterlagen zur Beantragung eines Freibetrags vor dem Stichtag 30. November.

Mit einem Freibetrag  in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) können Aufwendungen wie beispielsweise Werbungskosten, Sonderausgaben oder auch Kinderfreibeträge bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigt werden und führen so zu einem höheren monatlichen Nettoeinkommen. Sie müssen also nicht bis zur Erstellung der Einkommensteuererklärung warten, um die Kosten steuerlich berücksichtigen zu können, sondern haben Monat für Monat mehr auf dem Konto.

Achtung: Wer einen Freibetrag beantragt, ist regelmäßig zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet!

Wie beantragt man einen Freibetrag?

Für den Antrag auf Lohnsteuerermäßigung gibt es spezielle Vordrucke zum Ausfüllen. Wer diesen selbst stellen möchte, informiert sich am besten beim zuständigen Finanzamt, im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung oder im ELSTER-Onlineportal. Ihr Steuerring-Berater kann den Antrag auch einfach digital für Sie stellen.

Freibetrag mit Antragsminimum

Bei bestimmten Aufwendungen gilt für den Freibetrag ein Antragsminimum von 600 Euro. Erst wenn Ihre Ausgaben diesen Betrag insgesamt überschreiten, drückt das Finanzamt die Steuerlast. Dazu zählen:

Werbungskosten über 1.230 Euro (2026)

Zu den Werbungskosten  gehören beispielsweise die Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, Reisekosten und Verpflegungsmehraufwendungen bei Auswärtstätigkeiten sowie Belastungen der doppelten Haushaltsführung. Achtung: Bei der Berechnung des Antragsminimums von 600 Euro zählen nur die Werbungskosten, die den Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.230 Euro überschreiten. Somit können Sie erst dann einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung aufgrund der Werbungskosten bei nichtselbstständiger Tätigkeit stellen, wenn Ihre Aufwendungen hierfür insgesamt einen Betrag in Höhe von 1.830 Euro erreichen.

Bestimmte Sonderausgaben über 36 Euro

Zu den Sonderausgaben zählen beispielsweise Unterhaltszahlungen an getrenntlebende oder geschiedene Ehegatten, die Kirchensteuer, Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung sowie zwei Drittel der Kinderbetreuungskosten.

Gut zu wissen: Beiträge für Renten-, Krankenkassen- und Pflegeversicherungen werden beim Freibetrag nicht einkalkuliert – diese sind bereits in der sogenannten Vorsorgepauschale enthalten. Unabhängig davon sollten Sie diese Aufwendungen trotzdem in Ihrer Steuererklärung angeben, da sich manchmal ein weiterer Steuervorteil ergibt.

Außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art

Unter außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art versteht man vor allem Krankheits- und Pflegekosten sowie Ausgaben zur Instandsetzung der selbst genutzten Immobilie nach Naturkatastrophen. Darunter fällt auch die behinderungsbedingte Fahrtkostenpauschale. Ab einem Grad der Behinderung von 70 mit Merkzeichen „G“ beträgt diese 900 Euro, bei Hilflosen, Blinden und Taubblinden sogar 4.500 Euro. Die außergewöhnlichen Belastungen mindern sich zunächst um eine zumutbare Eigenbeteiligung – diese hängt von der Höhe der Einkünfte, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder ab. Überschreiten die Krankheitskosten die zumutbare Belastung um 600 Euro, so kann der entsprechende Antrag auf Lohnsteuerermäßigung gestellt werden. 

Freibetrag ohne Antragsminimum

Es gibt jedoch auch Ausgaben, die das Finanzamt ohne Mindestsumme als Freibetrag einträgt:

  • Entlastungsbetrag für alleinstehende Mütter und Väter: Haben sich Ihre Lebensumstände geändert, und Sie wohnen zukünftig allein mit ihren Kindern, so können Sie diesen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende eintragen lassen als Lohnsteuerermäßigung. Ist Ihr Ehepartner verstorben, so haben Sie noch bis Ende des Folgejahres die günstigere Steuerklasse und zusätzlich den Entlastungsbetrag. Im Anschluss oder nach einer Trennung können Sie die Steuerklasse II beantragen, auf der dieser Entlastungsbetrag automatisch berücksichtigt wird. Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt 4.260 Euro bei einem Kind sowie 240 Euro für jedes weitere Kinder. Wichtig: Für alle Kinder, die in Ihrem Haushalt leben, muss Ihnen Kindergeld zustehen, sonst entfällt der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.
  • Pauschbetrag für Menschen mit Behinderung: Ab einem Grad der Behinderung von 20 steht Ihnen ein Pauschbetrag für Menschen mit Behinderung zu, der sich steuermindernd auswirkt und somit auch als Lohnsteuerermäßigung eingetragen werden kann. Der Pauschbetrag wird stets für das gesamte Jahr gewährt, auch wenn die Voraussetzungen hierfür erst unterjährig eingetreten sind oder enden. Steht Ihrem kindergeldberechtigten Kind der Pauschbetrag zu, so können Sie diesen auf sich übertragen lassen.  
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen: Eine Steuerermäßigung kann in Höhe von 20 Prozent der Aufwendungen ohne Materialkosten eingetragen werden. Für Handwerkerleistungen beträgt die Erstattung maximal 1.200 Euro. Für haushaltsnahe Dienstleistungen gibt es eine Ermäßigung bis 4.000 Euro und für eine Haushaltshilfe im Minijob bis 510 Euro im Jahr. Seit 2020 werden auch energetische Maßnahmen an zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden gefördert, wie beispielsweise Wärmedämmung von Wänden oder Erneuerung der Heizungsanlage. Im Kalenderjahr des Abschlusses der energetischen Maßnahme und im darauffolgenden Jahr beträgt die Steuerermäßigung hierfür sieben Prozent der Aufwendungen, höchstens 14.000 Euro. Im übernächsten Kalenderjahr können sechs Prozent, aber höchstens 12.000 Euro berücksichtigt werden. Als Freibetrag trägt das Finanzamt pauschal die vierfache Summe der Steuerermäßigung ein.
  • Verluste aus der Vermietung einer Immobilie, ab dem Jahr nach Anschaffung oder Fertigstellung des Gebäudes.

Achtung: Ändern sich Ihre steuerlichen Verhältnisse zu Ihren Ungunsten, müssen Sie dies dem Finanzamt umgehen mitteilen.

Tipp:

Der Freibetrag gilt grundsätzlich für ein Kalenderjahr und wird auf Antrag für höchstens zwei Kalenderjahre berücksichtigt. Haben Sie im Formular 2024 also einen Freibetrag für zwei Jahre beantragt, gilt dieser bis 31.12.2026. Änderungen zu Ihren Gunsten können Sie innerhalb der zwei Kalenderjahre berücksichtigen lassen.