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Coronavirus: Lohnersatzleistungen steuerfrei, dafür höherer Steuersatz

Auch in Deutschland hat sich leider die Zahl der Erkrankungen durch den neuartigen Corona-Virus erhöht. Daher werden aktuell Maßnahmen zur Vermeidung weiterer Infektionen getroffen – bis hin zu Betriebsschließungen und Quarantäne. Im Zuge dessen hat die Bundesregierung u. a. den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert. Wie wirken sich dieses und andere Lohnersatzleistungen steuerlich auf Arbeitnehmer aus?

Im Vordergrund links im Bild steht eine Frau mit langen blonden Haaren, eingekleidet in Schal und Mütze. Sie trägt einen Mundschutz. Im Hintergrund sind verschwommen ein Weg, Bäume und eine Mauer zu erkennen.

Hat Ihr Arbeitgeber – etwa wegen Lieferengpässen – die sogenannte Kurzarbeit angeordnet oder erfolgt sogar eine behördliche Schließung des Betriebs, bekommen Arbeitnehmer in vielen Fällen nun das Kurzarbeitergeld. Diese Zahlung fällt unter die Lohnersatzleistungen und ist damit steuerfrei. Aber: Lohnersatzleistungen unterliegen dem Progressionsvorbehalt (gem. § 32b EstG). Das bedeutet, dass sich der persönliche Prozentsatz erhöhen kann, mit dem Ihr übriges Einkommen versteuert wird – und Sie demnach ggf. mehr Einkommensteuer zahlen müssen.

Sie sind als Arbeitnehmer von einer behördlichen Maßnahme zur Vorsorge gegen das Infektionsrisiko – wie Tätigkeitsverbot oder Quarantäne – betroffen? Dann erhalten Sie unter bestimmten Voraussetzungen als Alternative zum Kurzarbeitergeld eine Entschädigung nach § 56 des Infektionsschutzgesetzes. Auch diese Zahlung gehört zu den Lohnersatzleistungen und wird demnach beim Berechnen der Einkommensteuer unter Progressionsvorbehalt mitberücksichtigt.

Wenn Sie tatsächlich erkrankt sind oder eine Ansteckungsgefahr besteht, gelten Sie als arbeitsunfähig. In diesem Fall erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber sechs Wochen lang Ihr reguläres Gehalt. Dauert Ihre Krankheit länger, haben gesetzlich Krankenversicherte grundsätzlich Anspruch auf Krankengeld. Dieses Krankengeld fällt ebenfalls zu den progressiven Lohnersatzleistungen.

Weitere Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sind beispielsweise:

  • Arbeitslosengeld
  • Elterngeld
  • Mutterschaftsgeld
  • Zuschuss zum Mutterschaftsgeld
  • Insolvenzgeld
  • Übergangsgeld
  • Verletztengeld

Lohnersatzleistungen in der Steuererklärung

Achtung: Haben Sie im Laufe eines Kalenderjahres insgesamt mehr als 410 Euro an Lohnersatzleistungen erhalten, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sind Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. In der Steuererklärung müssen Sie dann alle Beträge eintragen, die Sie bekommen haben.

Vom Träger der an Sie gezahlten Leistung erhalten Sie eine Bescheinigung für Ihre Steuerunterlagen und zur Vorlage beim Finanzamt. Auf dieser sind die Dauer des Leistungsbezuges und die Höhe des gezahlten Betrages vermerkt. Außerdem werden Ihre Daten elektronisch an die Finanzbehörde übermittelt.

Tipp:

Wenn Sie verheiratet sind und Lohnersatzleistungen unter Progressionsvorbehalt bezogen haben, sollten Sie bei der Erstellung Ihrer Einkommensteuererklärung die Veranlagungsform prüfen. Oft ist eine Einzelveranlagung von Ehegatten in diesem Fall günstiger als eine gemeinsame Steuererklärung.

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