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Muss Streikgeld versteuert werden?

Ein Streik ist ein probates Mittel im Kampf um bestimmte Arbeitnehmerziele, wie etwa eine Lohnerhöhung für die aktuell auch viele Erzieher ihre Arbeit niederlegen. Während eines Streiks erhalten die streikenden Angestellten keinen Lohn – dafür allerdings Streikgeld von den Gewerkschaften. Immer wieder fragen sich die Streikenden: Was bedeutet das für die Steuererklärung?

Eine Gruppe von Menschen ist von hinten abgebildet. Sie laufen auf der Straße. Sie tragen Westen der Gewerkschaft und schwingen Fahren als Zeichen Ihres Protests.

Die Aufgaben von Gewerkschaften, wie der GEW oder der Verdi, sind vielfältig: Sie informieren ihre Mitglieder über ihre Arbeitnehmerrechte, vertreten diese in Betriebsräten und verhandeln Gehälter. Zudem zahlen sie im Falle eines Streiks ihren Mitgliedern das sogenannte Streikgeld.

Was ist Streikgeld?

Streiken die Arbeitnehmer und üben für einen bestimmten Zeitraum ihre vertraglich festgelegte berufliche Tätigkeit nicht mehr aus, zahlt der bestreikte Arbeitnehmer in dieser Zeit kein Gehalt beziehungsweise keinen Lohn. Dafür springt dann die Gewerkschaft ein – und fördert die Streikbeteiligung durch die Zahlung einer Streikunterstützung, dem Streikgeld. Die Höhe des Streikgeldes ist in der Gewerkschaftssatzung festgelegt. Achtung: In den meisten Fällen müssen Arbeitnehmer bereits vor Streikbeginn Mitglied in der Gewerkschaft sein, um Streikgeld zu erhalten.

Ist Streikgeld steuerfrei?

Als streikender Arbeitnehmer müssen Sie die Zahlung des Streikgeldes nicht über die Einkommensteuererklärung versteuern. Der Bundesfinanzhof hat bereits am 24. Oktober 1990 entschieden: Streikgeld ist steuerfrei. Es unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt, da es sich nicht um eine Lohnersatzleistung handelt. Das bedeutet allerdings auch: Kosten, die konkret mit dem Streik zusammenhängen, wie zum Beispiel Anfahrtskosten zum Streikort, können nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Dauert der Streik mehrere Tage, trägt der Arbeitgeber auf der Lohnsteuerbescheinigung einen Unterbrechungszeitraum der Gehalts- oder Lohnzahlung ein. Um Rückfragen des Finanzamtes zu vermeiden, sollten Sie die Unterlagen zum Streikgeld der Steuererklärung beifügen – und explizit darauf hinweisen, dass diese Zahlungen nicht steuerpflichtig sind.

Tipp:

Geben Sie zusätzlich die Höhe Ihres Gewerkschaftsbeitrags in der Steuererklärung an. Im Gegensatz zu Sport- oder Mietvereinen handelt es sich bei Gewerkschaften um Berufsverbände. Ihr Gewerkschaftsbeitrag steht also in Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit – diese Ausgaben lassen sich demnach als Werbungskosten von der Steuer absetzen.