Arbeit & Ausbildung

Wie funktioniert die Mobilitätsprämie?

Pendeln zur Arbeit kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld, vor allem seit dem die Spritpreise Anfang des Jahres wieder gestiegen sind. Sie haben einen besonders langen Weg zur Arbeit? Dann profitieren Sie ab dem Steuerjahr 2021 durch die erhöhte Entfernungspauschale von einem höheren Werbungskostenabzug – oder als Geringverdiener von der Mobilitätsprämie.

Eine Frau in rotem Blazer sitzt in ihrem Auto hinter dem Steuer. Sie lächelt und wirft einen Arm nach hinten.

Grundsätzlich können Sie Ihren Arbeitsweg mithilfe der Entfernungspauschale von der Steuer absetzen. Die Pauschale gilt ab dem ersten Kilometer und beträgt 0,30 Euro für jeden vollen Kilometer der einfachen Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Neu ist, dass sich die Pauschale seit diesem Jahr ab dem 21. Kilometer auf 0,35 Euro pro Kilometer erhöht. Gut zu wissen: Die Entfernungspauschale steigt ab 2024 nochmals auf 0,38 Euro an und gilt dann vorerst bis 2026. Die Erhöhung betrifft auch Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung, nicht jedoch die Reisekosten.

Ihr zu versteuerndes Einkommen liegt unterhalb des Grundfreibetrags (2021: 9.744 Euro)? Dann wirkt sich bei Ihnen die höhere Pauschale ab dem 21. Kilometer nicht oder zumindest nicht vollständig aus. Deshalb gibt es für diese Fälle die Mobilitätsprämie, die zunächst auch bis 2026 gültig ist.

Wichtig: Wenn Ihr Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt, müssen Sie in der Regel keine Steuererklärung einreichen. Möchten Sie jedoch von der Mobilitätsprämie profitieren, geht das nur über die Abgabe einer Steuererklärung. Dabei gilt wie immer bei freiwilliger Abgabe: Sie haben bis zu vier Jahre rückwirkend Zeit, die Steuererklärung zu machen – und so die Mobilitätsprämie zu erhalten.

Wie berechnet sich die Mobilitätsprämie?

Die Mobilitätsprämie beträgt 14 Prozent der Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer. Das klingt erstmal einfach. Allerdings wird die Bemessungsgrundlage unter Umständen begrenzt – und zwar auf jenen Betrag, der sich ergibt, wenn Sie vom Grundfreibetrag Ihr zu versteuerndes Einkommen abziehen. Das Finanzamt beschränkt die Bemessungsgrundlage sogar nochmal, falls die Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer und Ihre übrigen Werbungskosten den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro übersteigen. Als Bemessungsgrundlage ist letztlich immer der niedrigste dieser drei Beträge maßgebend. Diese komplizierte Rechnung erklären wir anhand eines Beispiels:

Beispiel für die Berechnung der Mobilitätsprämie

Der Steuerpflichtige hat einen Arbeitsweg mit einer einfachen Strecke von 75 Kilometern und fährt diese im Jahr 2021 an insgesamt 220 Tagen. Er hat keine weiteren Werbungskosten. Sein zu versteuerndes Einkommen beträgt 6.000 Euro.

1. Schritt: Grundsatz berechnen

Die Mobilitätsprämie beträgt 14 Prozent der Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer.

  • Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer: 220 Arbeitstage x 55 km x 0,35 Euro
    = 4.235 Euro

Die Mobilitätsprämie beträgt nun 14 Prozent von 4.235 Euro, also 592,90 Euro. Aber Achtung: Bedenken Sie, dass die Bemessungsgrundlage möglicherweise begrenzt wird.

2. Schritt: Bemessungsgrundlage begrenzen

Die Bemessungsgrundlage ist auf den Betrag begrenzt, um den das zu versteuernde Einkommen den Grundfreibetrag unterschreitet.

Der Betrag fällt niedriger aus als im ersten Schritt und gilt daher vorerst als Bemessungsgrundlage. Die Mobilitätsprämie beträgt somit 14 Prozent von 3.744 Euro, das sind 524,16 Euro. Allerdings sollten Sie überprüfen, ob die Bemessungsgrundlage nochmal begrenzt wird.

3. Schritt: Bemessungsgrundlage nochmal begrenzen

Die Bemessungsgrundlage für die Mobilitätsprämie wird nochmals beschränkt, soweit die Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer und die übrigen Werbungskosten den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro übersteigen. Der Beispiel-Steuerpflichtige hat bis auf die Entfernungspauschale für die ersten 20 Kilometer keine weiteren Werbungskosten.

Die Begrenzung ergibt im dritten Schritt mit 4.555 Euro einen höheren Wert als im zweiten Schritt (3.744 Euro). Da als Bemessungsgrundlage immer der niedrigste Betrag maßgebend ist, beträgt die Mobilitätsprämie in diesem Beispiel letztlich also die im zweiten Schritt berechneten 524,16 Euro.

Sie sind verheiratet und geben eine gemeinsame Steuererklärung ab? Dann gelten für Sie das gemeinsame zu versteuernde Einkommen und der doppelte Grundfreibetrag.

Tipp:

Waren Sie bisher der Meinung, eine Steuererklärung lohnt sich nicht und haben deshalb auf die Abgabe beim Finanzamt verzichtet? Durch die Mobilitätsprämie und die Erhöhung der Entfernungspauschale könnten sich wieder Steuervorteile für Sie ergeben. Lassen Sie sich von einem unserer 1.100 Steuerring-Berater dabei helfen.