Arbeit & Ausbildung

Werbungskosten: Erstausbildung, Erststudium

Der Bundesfinanzhof (BFH), das höchste deutsche Steuergericht, vertritt die Auffassung, dass Aufwendungen für die Berufsausbildung zu abzugsfähigen Werbungskosten führen müssen. Damit stellt der BFH die aktuelle Gesetzeslage in Frage. Das letzte Wort hat nun das Bundesverfassungsgericht. Aber, worum geht es genau?

Nach der gesetzlichen Vorschrift in §9 Abs. 6 EStG sind Aufwendungen für eine erste Ausbildung oder für ein Erststudium direkt nach dem Abitur vom Werbungskostenabzug ausgeschlossen. Die Kosten sollen lediglich als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro absetzbar sein. Ein Werbungskostenabzug ist per Gesetz nur möglich, wenn ein Ausbildungsdienstverhältnis (z. B. eine betriebliche Ausbildung) vorliegt, oder bereits eine abgeschlossene erste Ausbildung vorhanden ist.

Die jetzige Regelung ist nach Auffassung des BFH´s  verfassungswidrig. Bildungskosten junger Menschen erfüllen die Voraussetzung eines Werbungskostenabzugs, da diese in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einer späteren Berufstätigkeit und damit der Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen stehen. Mit zwei Vorlagebeschlüssen vom 17. Juli 2014 hat der BFH das Bundesverfassungsgericht um eine endgültige Entscheidung gebeten.

Nur durch den Abzug als Werbungskosten kann ein steuerlicher Verlust entstehen. Dieser wird über die Jahre der Ausbildung/des Studiums aufsummiert und kann Jahre später, bei beginnender Berufstätigkeit, in vielen Fällen mit steuerpflichtigen Einnahmen steuermindernd berücksichtigt werden. Dieser Verlustvortrag ist bei einem Sonderausgabenabzug nicht möglich.

Das Bundesverfassungsgericht könnte nun wie folgt entscheiden:

1. Die Richter folgen den Bedenken des BFH und erklären §9 Abs. 6 EStG seit seiner Gültigkeit für verfassungswidrig. Dann müsste das Finanzamt die beantragten Verluste steuermindernd berücksichtigen.

2. Der Artikel wird zwar für verfassungswidrig erklärt,  eine günstigere Neuregelung aber erst für die Zukunft gefordert.

3. Die Bedenken des BFH werden zurück gewiesen und die aktuelle Bestimmung als verfassungsgemäß eingestuft.

Tipp: Die Feststellung eines steuerlichen Verlustes wird mit der Einkommensteuererklärung beantragt. Für das Steuerjahr 2010 haben Sie nicht mehr viel Zeit. Die Einkommensteuererklärung müssen Sie bis zum 31.12.2014 einreichen. Danach beginnt die Verjährungsfrist. Für die Steuerjahre ab 2011 ist noch etwas Zeit vorhanden. Wie schnell das Bundesverfassungsgericht entscheidet ist unbekannt.