Arbeit & Ausbildung

Fortbildungskosten oder Ausbildungskosten – der feine Unterschied in der Steuererklärung

Muss ich eine Steuererklärung abgeben? Was kann ich steuerlich absetzen und lohnt sich das überhaupt für mich? Wenn es um die Steuererklärung geht, sind viele Studenten überfragt. Generell gilt: Kosten für Fachbücher, Benzin und Studiengebühren lassen sich in der Steuererklärung verrechnen. Wichtig ist die Unterscheidung, ob ein Abzug als Werbungskosten (Fortbildungskosten) oder lediglich als Sonderausgaben (Ausbildungskosten) möglich ist.

Studenten sitzen gemeinsam an einem Tisch und lernen.

Fortbildungskosten als Werbungskosten
Bildungskosten sind per Definition „Aufwendungen zum Erwerb oder zur Sicherung der Einnahmen aus einer Berufstätigkeit“. Daher gehören sie eigentlich zu den abzugsfähigen Werbungskosten. Allerdings nur, wenn eine erste Ausbildung abgeschlossen ist. Ab 2015 gibt es weitere Voraussetzungen: Die erste Ausbildung muss mindestens zwölf Monate dauern und mit einer Prüfung enden. Kurze Ausbildungen, wie beispielsweise zum Rettungssanitäter, Skilehrer oder zur Flugbegleiterin reichen nicht mehr aus.

Es spielt aber keine Rolle, um welche Art es sich bei der ersten Ausbildung gehandelt hat; eine duale Ausbildung zählt ebenso wie ein abgeschlossenes Erststudium.

Beispiele:
1.Eine Erzieherin studiert nach Abschluss ihrer Ausbildung „Soziale Arbeit“. Die Ausbildung zur Erzieherin ist eine erste Ausbildung, das anschließende Studium eine Zweite. Die Aufwendungen während des Studiums sind als (vorweggenommene) Werbungskosten abzugsfähig.
2.Ein Student macht nach dem Bachelor seinen Master. Der Abschluss als Bachelor ist eine erste Ausbildung, das anschließende Master-Studium führt zu einem Werbungskostenabzug.

Es ist nicht Voraussetzung, dass die zweite Ausbildung zeitlich und fachlich auf der Ersten aufbaut. So hat ein Kfz-Mechatroniker, der nach einigen Jahren Berufstätigkeit Betriebswirtschaft studiert, aufgrund des Studiums Werbungskosten. Die Höhe der abzugsfähigen Werbungskosten ist dabei unbegrenzt.

Der große Vorteil des Werbungskostenabzugs: Es kann ein steuerlicher Verlust entstehen.

Beispiel:
Die ausgebildete Erzieherin hat während des Studiums „Soziale Arbeit“ keine Einnahmen. Ihre Ausgaben für das Studium betragen insgesamt 3.000 Euro pro Jahr. Bei einer angenommenen Studiendauer von vier Jahren kommen 12.000 Euro zusammen. Durch die Abgabe von Steuererklärungen können diese Aufwendungen als Steuerverlust festgestellt werden. Eine Verwertung des Verlustes von 12.000 Euro erfolgt im ersten Jahr der anschließenden Berufstätigkeit.

Achtung: Das Beispiel unterstellt der Einfachheit halber, dass es sich immer um volle Studienjahre handelt und eine Berufstätigkeit anschließend zu Anfang des Jahres beginnt. In anderen Konstellationen besteht die Möglichkeit, dass ein festgestellter Verlust nicht in voller Höhe zu Steuervorteilen führt.

Ausbildungskosten als Sonderausgaben
Liegen die Voraussetzungen des Werbungskostenabzugs nicht vor, ist lediglich ein Abzug als Sonderausgaben möglich. Nachteil: Es kann kein steuerlicher Verlust ermittelt werden. Sind keine Einnahmen vorhanden, verpuffen die Sonderausgaben.

Beispiele:
1.Ein lediger Abiturient beginnt direkt nach dem Gymnasium mit dem Jura-Studium. Da keine abgeschlossene erste Ausbildung vorliegt, führen die Aufwendungen lediglich zu Sonderausgaben und sind bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro abzugsfähig. Wenn unser Student allerdings keine Einnahmen hat, können die Sonderausgaben nicht verrechnet werden und steuerlich entlasten. Die Sonderausgaben „laufen steuerlich ins Leere“.
2.Eine verheiratete Studentin der Wirtschaftspädagogik hat direkt nach dem Abitur mit dem Studium begonnen. Ihr Ehemann ist bereits berufstätig und erzielt einen jährlichen Bruttolohn von 50.000 Euro. Die Kosten für das Studium sind bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro als Sonderausgaben absetzbar. In einer gemeinsamen Steuererklärung können die Sonderausgaben aufgrund der Einnahmen des Mannes abgezogen werden und führen zu einer Steuerersparnis.

Ist diese Unterscheidung verfassungsgemäß?
Der Bundesfinanzhof (BFH) hat im Juli 2014 entschieden, dass die gesetzliche Regelung nach seiner Auffassung verfassungswidrig ist. Alle Bildungskosten, auch die eines Erststudiums nach dem Abitur, müssten nach Ansicht des BFH zu einem Werbungskostenabzug führen. Der BFH konnte aber nicht abschließend entscheiden, dies muss nun das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) tun.

Tipp: Beantragen Sie auch in diesen Fällen einen unbegrenzten Werbungskostenabzug und die Feststellung eines steuerlichen Verlustes. Werden Ihre Anträge abgelehnt prüfen Sie, ob die Ablehnungsbescheide vorläufig sind. Ist das nicht der Fall, müssen Sie innerhalb eines Monats gegen die Bescheide – unter Hinweis auf die Verfahren vor dem BVerfG – Einspruch einlegen und ein Ruhen beantragen.