Arbeit & Ausbildung

Ermäßigte Besteuerung für Abfindungen

Abfindungen sind Entschädigungszahlungen für entgangene oder entgehende Einnahmen, die ermäßigt besteuert werden – unter bestimmten Voraussetzungen. Der Bundesfinanzhof (BFH) nahm diese unter die Lupe.

Ein lächelnder Mann sitzt hinter einem Tisch und schüttelt die Hand eines anderen Mannes. Im Mittelpunkt sind die beiden Hände. An der Decke leuchten zwei Lampen. Im Hintergrund sind eine Wand und ein Fenster zu sehen.

Wird ein Arbeitsverhältnis vorzeitig und außerordentlich beendet, erfolgt das häufig in gegenseitigem Einvernehmen – und mit Zahlung einer Abfindung. Diese soll die Einnahmeausfälle bis zum Beginn einer anderen Beschäftigung ausgleichen. Auch Abfindungen sind lohnsteuerpflichtig und in der Steuererklärung einzutragen. Allerdings: Sie können nach der Fünftelregelung und damit ermäßigt besteuert werden.

Bisher hat das Finanzamt dabei streng geprüft, ob das Arbeitsverhältnis auf Wunsch des Arbeitnehmers oder auf Druck des Arbeitgebers endete, denn: Nur wenn der Arbeitgeber die Trennung wollte, galt für eine Abfindungszahlung die ermäßigte Besteuerung (gem. § 34 EStG).

Mit dem BFH-Urteil vom 13. März 2018 (Az. IX R 16/17) änderte das höchste deutsche Steuergericht diese Voraussetzung. Zahlt der Arbeitgeber eine Abfindung, wird nun angenommen, dass auch er an der Auflösung des Arbeitsverhältnisses erheblich interessiert war – sonst hätte er schließlich keine Abfindung angeboten. Deshalb muss der Arbeitnehmer in solchen Fällen nicht weiter aufklären, wer die Kündigung initiierte. Das Urteil ist zwar kein Freibrief, um Abfindungen generell ermäßigt zu besteuern, es führt aber zu einer Beweislastumkehr: Nun muss das Finanzamt nachweisen, dass der Arbeitnehmer nicht unter tatsächlichem Druck stand.

Unverändert bleibt hingegen laut BFH eine andere wichtige Voraussetzung für die ermäßigte Besteuerung, nämlich die sogenannte Zusammenballung. Das heißt: Weniger Steuern auf die Abfindungssumme gewährt das Finanzamt weiterhin nur dann, wenn die gesamten Einnahmen im Jahr der Abfindungszahlung höher ausfallen als im Vorjahr. Damit soll die Progressionswirkung durch den höheren Steuersatz abgemildert werden.

Tipp:

Lassen Sie sich steuerlich beraten, bevor Sie den Aufhebungsvertrag unterschreiben.